Innere Dämonen

Die Monsterhand

Fest hält sie mich umklammert. Eine riesige Hand, die irgendwann in einem unbemerkten Moment nach mir gegriffen hat. Ich hatte einfach mal wieder nicht aufgepasst…

Sie ist groß genug, um mich komplett zu umfassen, ich kann weder meine Arme noch Beine bewegen, fühle mich komplett gefangen und hin und wieder, wenn sie etwas fester zudrückt, bleibt mir fast die Luft weg.

Leider kann ich auch nicht hinter mich schauen, wem diese riesige, starke, fürcherliche Hand denn eigentlich gehört. Und so verharre ich und es bleibt mir nichts anderes als zu hoffen, dass sie mich irgendwann wieder loslässt.

Ich hab immerhin schon bemerkt, dass sie mich nicht umbringen will. Ich bekomme hier und da zu essen und zu trinken, doch das Wesen am anderen Ende des Armes scheint irgendwie Vergnügen daran zu finden, mich leiden zu sehen.

Inzwischen hab ich mich sogar schon so sehr daran gewöhnt, dass ich wieder schlafen kann. Wirklich erholsam ist der Schlaf natürlich nicht, aber immerhin geht hier und da ein Nickerchen, so dass mein Körper sich doch immer wieder ein bisschen erholen kann.

Und ich hab Zeit… viel Zeit zum Nachdenken darüber, wie ich dieser bösen Hand entkommen könnte. Aber da ich das Monster nicht im Ganzen sehen kann, ist es noch schwieriger, einen Plan zu fassen oder überhaupt eine Idee zu erdenken.

Hier und da kommen auch andere Menschen vorbei. Sie setzen sich zur mir und leisten mir ein wenig Gesellschaft und manche unterbreiten mir auch ein paar Ideen, wie ich der großen, bösen Ungeheuerhand entkommen könnte. Doch nichts davon funktioniert.

Die Lage scheint aussichtslos.

Bis eines Tages ein kleines Mädchen vorbeikommt. Sie sieht mich in meiner misslichen Lage, schaut an der Hand vorbei, den Arm entlang, erblickt das riesige Wesen hinter mir… und lacht!

Ich schau sie an und frage: „Wie kannst Du lachen? Siehst Du nicht, wie schlimm meine Situation ist?“

Sie sagt nichts weiter, öffnet ihre kleine Tasche, holt einen kleinen, zauberhaften Handspiegel heraus und hält ihn mir leicht schrägt vors Gesicht. Genau so, dass ich hinter mich blicken kann.

Als ich in den Spiegel schaue, kann ich meinen Augen nicht trauen. Einen Moment lang liegt fassungslose Ungläubigkeit auf meinem Gesicht…

Dann fange ich schallend an zu lachen. Ich muss so sehr lachen, dass ich kaum mehr Luft bekomme, doch plötzlich passiert das Unmögliche – die riesige Hand lässt mich los!

Ich hole tief Luft und drehe mich um. Aber hinter mir ist nichts mehr zu sehen. Ich atme wieder frei, schüttle meine Arme und Beine aus und bedanke mich bei dem kleinen Mädchen, das lustig weiter ihren Weg geht.

Dann setze ich mich hin und schreibe endlich mein Buch weiter. Solange hatte ich es hinten angestellt. Solange, bis ich nicht mehr glaubte, dass es wirklich ein richtig gutes Buch werden würde. Solange, bis ich nicht mehr glaubte, eine richtig gute Autorin sein zu können. Was für ein lustiger Unsinn!

Ach so.. was ich im Spiegel hinter mir gesehen habe willst Du jetzt noch wissen?

Nichts als mein eigenes, riesiges, zweifelndes Gesicht.

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Christina, Bestsellerautorin in spe 😉

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